Depression

Depression


Was ist eigentlich eine Depression und warum tritt dieses Krankheitsbild gehäuft bei Lehrkräften auf?

Nach Angaben der WHO leiden 5% der Erwachsenen weltweit an einer Depression, dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Leider können Depressionen bis zum Suizid führen, daher ist es wichtig, schon bei Verdacht ärztliche Hilfe aufzusuchen. Umso eher eine Depression erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Chancen einer Genesung.

Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit erkranken 16 bis 20 von 100 Menschen irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie). Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen öfter als junge Menschen.

Eine Depression entsteht schleichend, zuerst werden oft depressive Verstimmungen wahrgenommen, die nicht länger als 14 Tage andauern. Sollten diese Verstimmungen länger anhalten, spricht man von einer Depression.


Was empfindet man in solchen Phasen der Verstimmung?

  • Du fühlst dich ohne Grund niedergeschlagen.
  • Innerlich fühlst du dich leer und ausgebrannt.
  • Du empfindest keine eigene Motivation mehr, auch bei Dingen, die dir vorher Freude bereitet haben.
  • Du empfindest auf einmal in normalen Situationen Angst oder Panik.
  • Du empfindest dich nicht als gut genug und zweifelst an dir und deiner Kompetenz.
  • Du stellst dich selber in Frage.
  • Du leidest plötzlich unter Schlafstörungen.
  • Dir entwickelst keinen Appetit mehr und kein Interesse an Essen.
  • Du fühlst dich ständig nur noch erschöpft.
  • Du denkst über Suizid nach.


Solltest du dich in diesen Punkte wiedererkennen, bitte ich dich direkt an deinen Hausarzt zu wenden. 

Leider versuchen viele Betroffene diese Erkrankung erst mal auszusitzen und abzuwarten. Nach dem Motto: Das wird schon wieder. Aber dieser Ansatz ist falsch, wenn man einmal in diesem Denkmuster gefangen ist, braucht man Hilfe. Am besten professionelle Hilfe von Ärzten, die sich mit dem Krankheitsbild auskennen.


Aber warum versuchen viele erst mal das auszusitzen?

Das hängt damit zusammen, dass man sich nicht eingestehen möchte, dass man krank ist. Man möchte nicht als psychisch krank eingestuft werden. Man hat Angst vor der Stigmatisierung durch seine Kollegen, Eltern, Freunde und Familie. Dadurch schiebt man die Symptome immer weiter vor sich her, bis man keine Kraft mehr hat.

Daher wäre es toll, wenn wir offen mit dieser Erkrankung umgehen und dazu stehen, um den Betroffenen Mut zu machen, damit sie die Kraft entwickeln, Hilfe zu suchen und Hilfe anzunehmen. Jeder kann helfen, schau nicht weg, wenn du merkst, das es anderen Lehrkräften nicht gut geht. Manchmal kann eine Frage unter vier Augen viel bewegen und das Gefühl vermitteln, nicht alleine zu sein.


Warum sind gerade Lehrkräfte gefährdet?

Kognitive Dissonanz

Die Realität des beruflichen Alltags und der eigenen Idealvorstellung von beruflicher Erfüllung als Lehrkraft sind nicht im Einklang. Es kommt zu einer Spannung, der sogenannten kognitiven Dissonanz. Wunsch und Realität gehen getrennte Wege, es kommt zu einem inneren Konflikt. Dieser Konflikt zermürbt ein Stück für Stück und raubt einem die Energie. Man stürzt in die Verzweiflung und Depressionen können daraus resultieren. Die Zurückweisung durch Schüler trotz hoher Bemühungen führt schnell zu einem Gefühl der Kränkung. Da das hohe Engagement nicht gesehen und gewürdigt wird.


Druck durch Erwartungen der Eltern

Dazu kommen die teilweise unerfüllbaren und unrealistischen Erwartungen der Eltern an die Lehrkraft. Wir leben in einer Null-Fehler-Generation was dazu führt, das niemand die Verantwortung übernehmen möchte. Bei schlechten Noten ist der Unterricht einfach nicht gut genug oder die Lehrkraft inkompetent. Was resultiert? Eine Lehrkraft versucht die Verantwortung für ca. 28 Kinder zu übernehmen und bleibt dadurch gesundheitlich auf der Strecke.


Hohe moralische und soziale Einstellung

Die Mehrzahl aller Lehrkräfte hat ihren Beruf deshalb ausgewählt, weil sie eine hohe moralische und soziale Einstellung gegenüber unserer Gesellschaft besitzen. Diese innere Einstellung ist lobenswert, aber leider auch eine Schwachstelle. Durch diese innere Grundeinstellung neigen Lehrkräfte gehäuft dazu, ihre eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen und immer mehr Verantwortung zu übernehmen, anstatt sie an die Verantwortlichen (Eltern) zu übertragen.


Berufsalltag frisst Freizeit

Ja, das ist schon ordinär geschrieben, aber es ist einfach nicht schöner zu formulieren. Denn die Zeit einer Lehrkraft wird im wahrsten Sinne des Wortes vom Berufsalltag aufgefressen. Was übrig bleibt ist eine ausgebrannte Lehrkraft, die trotz aller Bemühungen doch nicht gut genug ist und nie alle Aufgaben erledigt bekommt. Und zu allem dank immer noch Vorwürfe und Kritik erhält. 

Findet man hier für sich keinen Mittelweg als Lösung, bleibt man auf Dauer selbst auf der Strecke.

Das ausgebrannt sein resultiert aus einem Identitätsproblem, daher ist es wichtig, die ICH Identität zu stärken. Denn nur wer an sich selbst glaubt, kann sein Wissen glaubhaft vermitteln. Und nur wer von sich selbst überzeugt ist, kann als Lehrkraft andere überzeugen.


Präventiv

Hier kann ein Kommunikationstraining gut helfen, in dem man auf die eigene Körpersprache eingeht und die emotionale wie auch kommunikative Intelligenz gezielt schult und den betroffenen Lehrkräften Handlungsempfehlungen mit auf den Weg gibt. Dazu gehört auch, wie man mit negativen Dingen im Berufsalltag umgeht und sich von diesen abschirmt (Self-Care-Management).

Was kannst du tun um dich zu schützen?

  • Trenne so gut es geht privates und berufliches
  • nehm dir bewusst Zeit für dich und Dinge, die dir ein positives Gefühl vermitteln
  • mach Sport, bei welchen du geistig fokussieren musst - Damit dein Kopfkino zur Ruhe kommt
  • halte dich draußen in deiner Umwelt auf, so nimmst du Tageslicht auf, welches deinen Vitamin D Spiegel ankurbelt
  • pflege deine sozialen Kontakte, um deinen emotionalen Ballast abzubauen - geteiltes Leid ist halbes Leid
  • setz dir kleine, realistische berufliche Ziele und halte dir deine Meilensteine vor Augen
  • seh dir das Video von Dr. Hirschhausen "Pinguin-Prinzip" an
  • hör auf, dich mit anderen zu vergleichen, das Leben ist kein Wettkampf
  • nehm an einem Kommunikationstraining teil, damit du dir deiner eigenen Körpersprache bewusst wirst


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